Vincent Gross – Rückenwind


Vincent Gross – der Schlager-Newcomer aus der Schweiz präsentiert mit „Rückenwind“ sein Debüt-Album.

Junger, männlicher Schlager-Nachwuchs ist zwar rar, aber es gibt ihn! Auch, wenn man dafür manchmal über die Landesgrenzen schauen muss. Der neue Shootingstar des neuen deutschen Schlagers heißt Vincent Gross. Der 20-jährige Psychologiestudent aus Basel gewann einen Talentwettbewerb im Schweizer Fernsehen und soll nun dieses Jahr auch in Deutschland durchstarten.

Vincent Gross – der neue Stern am Schlagerhimmel

Dafür stellte man ihm das erfahrene und erfolgreiche Songwriter und Produzententeam um Felix Gauder, Daniel Gramer und Oli Nova (u.a. E-Rotic, Fantasy, Wolkenfrei, Maite Kelly) zur Seite, welche dem sympathischen Sonnyboy mit der Popper-Frisur ein Debutalbum auf den Leib schneiderten. Die Erwartungen sind also hoch.

Vincent Gross - Rückenwind
Vincent Gross – Rückenwind

Etwas Großes beginnt *****

Ob mit dem Titel das Album oder seine Karriere gemeint ist? Jedenfalls ein passender Opener. Ein Streicherrhythmus treibt durch den Uptempo-Song, der Aufbruchsstimmung und Leichtigkeit versprüht.

Keychange: nein

 

Rückenwind *****

Und nun die erste Single. Ich kaufe ein Ü und möchte lösen: „Ich fühle mich so beflügelt, weil ich glücklich bin, denn ich hab Rückenwind“. Ein Deep House-Ohrwurm für den Frühling bzw. Sommer. Soundspielereien machen das Werk sehr kurzweilig.

Keychange: nein

 

Ich will nur tanzen *****

„Nur tanzen“? Ja nee, is klar. Schon im letzten Jahrhundert war bekannt, durch welches Verb man das Wort „Tanzen“ ersetzen muss um die wahre Botschaft zu erhalten. Wie dem auch sei… Ein sehr moderner, leicht clubbiger Sound mit einer sehr hörenswerten Bridge.

Keychange: nein

 

Julika *****

Eine Midtempo-Ballade im Elektrosounbett mit Gitarre. Reiht sich in die typischen deutschen Singer-Songwriter-Stücke ein, die momentan sehr erfolgreich laufen. Hat mit Schlager nichts zu tun.

Keychange: nein

 

 

Du Du Du *****

Dafür dieses Stück. Die ersten Sekunden machen klar: jetzt kommt endlich der Track auf den Schlagerfans gewartet haben. Ein echter Dance-Schlager mit entsprechenden Beats. Die Strophen versprechen allerdings ein bisschen zu viel, denn der Refrain ist mir dagegen etwas zu einfach geraten. Jammern auf hohem Niveau. Funktioniert aber definitiv in der Schlagerdisko.

Keychange: JAAAA!

 

Folge deinem Herz *****

Erinnert sich noch einer an Beatrice Eglis Playbackpanne bei der „Goldenen Henne 2014“? Wo sich einige Wörter unfreiwillig wiederholten? So klingt es. „Folge deinem, folge deinem, folge deinem Herz, Herz, Herz, Herz, Herz“. Fällt zumindest auf und bleibt im Kopf. Leider geil! Könnte aber auch schnell auf die Nerven gehen. Wieder mehr Deep House als Schlager.

Keychange: nein

 

Schnee im April *****

Sehr vertrauter Klang. So klingen viele aktuelle Schlager, die sich vom Bassflow-Remix von „Atemlos“ haben inspirieren lassen. Deswegen sticht der Song zwar nicht unbedingt heraus, aber ist auf jeden Fall mehr als solide.

Keychange: nein

 

Mädchen Nr. 1 *****

Ich fühl mich Disco. Die funky Nile Rodgers-Gitarre von Daft Punks „Get Lucky“ ist hier das Grundgerüst. Klingt anders als alles andere bisher. Was für ein Ohrwurm-Refrain! Und höre ich da an einer Stelle sogar die Swedish House Wives heraus?

Keychange: nein

 

Bis zum Meer *****

Wieder der typische Traum vom Meer. Mir minimal zu unmelodisch umgesetzt. Lebt hauptsächlich vom Beat und der Produktion. Wobei diese markante Gitarre kenne ich doch aus den 00er-Jahren irgendwoher?

Keychange: nein

3 von 5

 

Ich kann nichts dafür *****

Hier klingt seine Stimme so anders. Beginnt nämlich ausnahmsweise mal nicht an der oberen Grenze seines Stimmumfangs (Range). Erst zum Refrain wird’s höher und dann lassen die 90er grüßen, aber sowas von. Boyband-Sound à la Backstreet Boys „Shape Of My Heart“. Wär das nicht eigentlich was für Feuerherz?

Keychange: nein

 

Wie schön du bist *****

Nein, kein Cover von Sarah Connor. Eher was für die Discofox-Party. Klingt wie ein altes Playback von Wolkenfrei und irgendwie höre ich auch die ganze Zeit die Stimme von Vanessa Mai in meinem inneren Ohr.

Keychange: ja

 

Der Sommer mit dir *****

Verspielte Gitarrenklänge gemixt mit Housebeats. Leicht melancholischer After-Summertune. Ist nur leider nach anderthalb Minuten auserzählt.

Keychange: nein

 

Joana *****

Ja, es ist der Roland Kaiser Hit von 1984. Zum Glück nicht in der Mallorca-Version mit den Zwischenrufen. Sicherlich die bis dato modernste Interpretation dieses Klassikers, welche er schon im Januar bei Florian Silbereisen präsentieren durfte.

Keychange: nein

 

Fühlst du den Regen *****

Und so will es das Gesetzt: zum Abschluss eine langsame Klavierballade. Der ruhigste (und längste) Track des Albums. Sehr zurückgenommen. Sehr gefühlvoll. Nur seine Stimme und das Klavier. Und sogar ein echtes, kein Synthie-Imitat! Gegen Ende finden sich noch Geige und minimale Beats hinzu. Ein sehr schöner Abschluss!

Keychange: nein

 

Gesamtfazit *****

Als Freund von leicht melancholischen, aber dennoch temporeichen, modernen Schlagern wird man an diesem Album seine Freude haben. Falls man überhaupt noch von Schlager sprechen kann. Die Produktion ist 1A und dem aktuellen Zeitgeist entsprechend. Es hätte auch ohne Probleme von Kontor Records veröffentlich sein können, wenn man es mal mit den Beats von Stereoact oder Gestört aber Geil vergleicht.

Einzige Kritikpunkte: Es fehlt etwas an der Unverwechselbarkeit der Stimme, welche klingt wie so viele andere deutschsprachige Sänger heutzutage. UND: die Keychange-Quote ist mit gerade mal 14 % enttäuschend gering. Es geht allerdings auch deutlich schlechter, wie wir wissen. (Ja, der Finger zeigt auf dich: Ella Endlich!)

Anspieltipps:

„Ich will nur tanzen“
„Du, Du, Du“
„Folge deinem Herz“
„Mädchen Nr. 1“
„Ich kann nichts dafür“

 

Categories: Deutschpop,New Release,Review

Tags: ,