Vanessa Mai – Für Dich


„Für Dich“ – so heißt das neue Album der deutschen Schlagerprinzessin Vanessa Mai. Wenn der Begriff „Shootingstar“ auf jemanden zutrifft, dann auf die 23-jährige Vanessa Mai. In der Schlagerszene kommt man momentan an ihr nicht vorbei, was auch der ihr letzte Woche verliehene ECHO beweist.

Niemand sonst wurde im letzten Jahr so oft als „die neue Helene Fischer“ angekündigt und tatsächlich stand sie in den Charts zwischenzeitlich sogar vor der Königin, wenn auch nur für ein paar Wochen und nur durch Monster-Promo bei RTL. Unter dem Namen Wolkenfrei veröffentlichte sie bereits zwei Alben, 2014 noch zusammen mit ihren Bandkollegen, 2015 als Solokünstlerin nachdem ihre Bandkollegen ausgestiegen sind. Sie war zuletzt also eine One-Woman-Band.

Ziemlich kurios, aber diese Verwirrung ist nun vorbei. Seit 2016 ist der Name Wolkenfrei Geschichte und alle kommenden Veröffentlichungen tragen nur noch den Namen Vanessa Mai (nicht zu verwechseln mit der Geigerin Vanessa Mae – ESC-Pausenact 1998).

Kein Geringerer als Dieter Bohlen holte sie in diesem Jahr nicht nur in die DSDS-Jury, sondern auch direkt zu sich ins Studio und produzierte mit ihr das jetzt (sogar auf Vinyl) erscheinende Album. Das überrascht nicht, denn Bohlen hat ein Gespür dafür, wie man aus Musik Geld macht. Und das geht momentan nun mal am besten mit modernem Schlager, der auch junge Zielgruppen erreicht und da ist Vanessa die Idealbesetzung. (Foto (c) SonyBMG; Text: Ansgar Kuhn)

Vanessa Mai – der neue Stern am deutschen Schlagerhimmel

Für Dich - das neue Album von Vanessa Mai (c) Sony
Für Dich – das neue Album von Vanessa Mai (c) Sony

Ich sterb für dich *****

Schon vor zwei Monaten erschien diese erste Vorab-Single, ohne sich jedoch in den Charts positionieren zu können. Und das völlig zu Recht. Für mich ist das die bislang schlechteste Single, die je von Wolkenfrei bzw. Vanessa Mai erschienen ist. Wobei „schlecht“ zu übertrieben wäre; es haut einen nur nicht recht vom Hocker, der Funkte springt bei diesem Diskofox nicht über. Es ist eine Coverversion eines Albumtracks („And When I Die“) von der in den 90ern kurzzeitig mittelmäßig erfolgreichen Boygroup Touché. Und wer war damals deren Produzent? Richtig, Dieter Bohlen. Im Original vom Gesamtsound auch noch sehr Modern Talking-lastig, hört man das in der deutschen Adaption nur noch in Form des Backgroundchores.

Wie ein Blitz *****

Die ersten Takte heben sofort die Laune. Ein mitreißender Beat gibt den Takt an. Das Xylophon aus Mias „Tanz der Moleküle“ tut sein Übriges. Ein moderner Uptempo-Song, der gut zu ihrer Stimme passt. Macht wirklich Spaß, ein echter Ohrwurm. Und es klingt gar nicht sooooo nach Bohlen. Warum war das nicht die erste Single?

Ich hör auf mein Herz *****

Ähnlich produziert wie „Ich sterb für dich“, zeitweise hab ich sogar gedacht, es wäre dasselbe Playback. Wem also Ersteres gefallen hat, wird hier erneut auf seine Kosten kommen. Ich nicht. Die Melodie ist minimal eingängiger, aber das Ende deutlich abgewürgter. Das können alle Beteiligten besser.

Phänomenal *****

Die Produktion ist sehr poppig, sagen wir mal deutsch-poppig. Die Melodie aber relativ einfach und altbacken. Helene Fischers „Mal ganz ehrlich“ meets Rolf Zuckowskis „Wie schön, dass du geboren bist, wir hätten sich sonst sehr vermisst“, gewürzt mit einer Prise „Atemlos durch die Nacht“, natürlich.

Herz an Herz *****

Der Titel lässt auf Blümchens Techno-Knaller aus den 90ern hoffen, aber die ersten Pianotöne kündigen eine Ballade an. Doch dann steigert man sich kurzentschlossen doch noch spontan auf immerhin 140 BPM, also nur fast Blümchen-Style, aber für Schlager recht temporeich. Es ist dann zwar doch nicht der bekannte Hit, aber trotzdem ein entzückender Partysong. Für die letzten zwei Takte wird man wieder zur Ballade, was das Ganze schön abrundet. Mit Keychange wäre es vielleicht die Höchstpunktzahl.

„Für Dich“ wurde von Dieter Bohlen produziert

Ohne dich *****

Im Jahr 2006 hatte eine junge Sängerin namens Nathalie Tineo einen kleinen Hit: „Ich liebe dich“, komponiert von Dieter Bohlen. Der Recycle-Gott gab den Titel später auch noch an Mehrzad Marashi (DSDS-Winner 2010) und Andrea Berg. Überraschenderweise nicht an Vanessa Mai, obwohl Track 11 hier auch „Ich liebe dich“ heißt, aber es ist ein anderes Lied. Stattdessen darf diese nun einen anderen Titel von Nathalie Tineo wiederbeleben, nämlich „Ohne dich“ vom damals dazugehörigen (gefloppten) Album. Ob das aber nun zwingend notwendig war, sei mal dahingestellt. Ist es doch eine Bohlenballade, wie sie charakteristischer nicht sein kann. Die immergleichen Akkorde wie bei jeder DSDS-Siegerballade. Tausendmal berührt, tausendmal nichts passiert.

Meilenweit *****

Und nun ein Quantensprung. Von Balladen-Stangenware in D-Dur wechseln wir zu edlem Deep House-Stoff in c-Moll. Und das vom selben Komponisten/Texter/Produzenten! Topmoderner Sound à la „Geiles Leben“ wie er seit einem Jahr die Charts bevölkert. Aber ist das noch Schlager? Auf Englisch wäre es das sicherlich nicht. Wieder ein Beweis für das Verschmelzen der Genres. Für mich das absolute Highlight bisher und ein Fall für die Repeat-Taste. Wer genau hinhört, entdeckt übrigens wieder den Modern Talking-Chor im Hintergrund.

Willst du oder nicht *****

Obwohl der Beat sogar etwas ähnlich dem Vorgänger ist, die Tonfolgen sind hier wieder eindeutig Schlager. Konventionelle Ware, aber mit ungewöhnlichen, auffälligen Synthie-Sounds in den Übergängen, die ich kaum kategorisieren kann. Man muss es gehört haben. Für den schwedischen Schluss mit Knall runde ich auf.

Du und ich *****

Sehr clubbiger Diskofox. Wobei die spannungsreicheren Strophen mir besser gefallen als der mit Effekten vollgespickte Refrain mit der einfachen Melodie. Texthighlight: „Rotwein von der Tanke und Toffifee im Doppelpack“.

Wir sind heut schwindelfrei *****

Erinnerungen an alte Wolkenfrei-Songs aus der Vor-Bohlen-Zeit werden wach. Genau die Symbiose aus Pop und Schlager, die typisch für den Sound der „Band“ war. Und möglicherweise wird genau deshalb hier „wolkenfrei“ auf „schwindelfrei“ gereimt? Leider gibt es mal wieder keinen Höhepunkt, eine Bridge ist quasi nicht vorhanden.

Ich liebe dich *****

Wie bereits erwähnt handelt es sich hier nicht um ein Cover der Nathalie Tineo-Nummer. Vermutlich eine Neukomposition. Vermutlich. Bei Bohlen weiß man ja nie, die Akkorde kennt man trotzdem irgendwoher, die Mundharmonika auch. Immerhin ein Keychange.

Für dich *****

Na endlich! Der Klassiker von Yvonne Catterfeld. Aber als Uptempo-Nummer mit ordentlich wumms. Gott sei Dank! Die Melodie ist gleich geblieben, aber es wurde ein bisschen an der Begleitharmonik geschraubt, was mir positiv auffällt. Highlight damals wie heute: die Halbtonschritt-Rückung.

Wunder gibt’s nicht nur im Himmel *****

„A walk in the park, a step in the dark…” möchte man direkt mitsingen. Die Inspirationsquelle für den Groove, der 79er-Hit der Nick Straker Band, ist unüberhörbar und zieht sich durch den gesamten Song. Hinzu werden ein paar extrem harte Beats gemischt und Vanessa singt eine zuckersüß weiche Melodie. Irgendwie hat es was.

Kann’s nicht glauben *****

Eine Abschiedsballade über Tod und Erinnerung. Drückt sehr auf die Tränendrüse. Hervorragend gesungen von Vanessa und instrumentiert nur mit Klavier, Cello und Bass. Die beste Ballade auf dem Album, gerade weil sie nicht ganz so holzhammermäßig Bohlen ist, auch wenn er die Handschrift trotzdem nicht verwischen kann.

Gesamtbewertung: *****

Man kann von Dieter Bohlen halten, was man will, aber wenn er eines kann, dann ist es Schlager. Sehr eingängige, manchmal sogar zu eingängigere Melodien im perfekt abgestimmten Arrangement. Moderner Sound, der perfekt zu Vanessa passt. Trotzdem fehlen mir manchmal hier und da die Ecken aus Wolkenfrei-Zeiten.

Einen Keychange findet man leider nur bei den Balladen und gerade die waren so überflüssig wie schlecht. Ich sehe Vanessa sowieso eher bei Uptempo-Nummern mit denen sie eine ganze Bühne befüllen kann, was sie als Teilnehmerin bei Hip-Hip Tanz-Weltmeisterschaften ja auch schon bewiesen hat und im Herbst wieder beweisen kann, wenn sie mit dem Album auf Tour geht.

Als Albumhighlights hervorheben möchte ich „Wie ein Blitz“, „Meilenweit“ und „“Willst du oder nicht“, welche ich alle als erste Single bevorzugt hätte. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Nichtsdestotrotz sollte das Album mit RTL, DSDS und Bohlen im Rücken die Verkaufszahlen des Vorgängers toppen können. Und so wie Vanessa seit einem Jahr promotet wird, werden wir sicherlich noch viel von ihr hören, hoffentlich nur Gutes.

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Diese Rezension zum Album „Für Dich“ von Vanessa Mai erschien zuerst auf Schwedenschlager.de

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