Melodifestivalen 2015: Finale – Stockholm


Wenn man eins sagen kann, dann das: Eine große Überraschung bezüglich des Siegs im Melodifestivalen-Finale gab es nicht. 12 Beiträge, zum ersten Mal in diesem Jahr, von denen man sagen kann, dass jeder einzelne Beitrag (ja, auch „Groupie“) besser ist, als alles was im deutschen Vorentscheid dieses Jahr geboten wurde. Seit Beginn lag Måns Zelmerlöw bei den Buchmachern ganz vorne und so wunderte sich gestern Abend niemand mehr als fast die vollständige internationale Jury ihre 12 Punkte an Måns vergab und später auch das Ergebnis des Televotings ganz klar an Måns ging.

Nachdem die Moderatoren Sanna Nielsen und Robin Paulsen gemeinsam mit Conchita Wurst das diesjährige Melodifestivalen-Finale eröffneten, ging es auch Song für Song zackig Richtung Gewinnerbeitrag. Den Anfang machten die beiden überdrehten Reality-TV-„Stars“ Samir & Viktor. Samir, der sich auf der Bühne wie ein absoluter Proll verhält, das Lächeln anscheinend verlernt hat und die tänzerischen Fähigkeiten von Frankenstein’s Kreatur besitzt, profitiert viel von der Freundlichkeit und des Humors seines Bandkollegen Viktor. In einem Interview mit ESCToday sorgte Samir durch seine überhebliche und unfreundliche Art zum Abbruch des Interviews. Am Ende gab es den 8. Platz für „Groupie“ und wir sind froh, dass wir in Deutschland von diesem Song und diesen Selbstdarstellern größtenteils verschont bleiben.

JTR“. Wie es die drei Jungs aus Down Under ohne wirkliche stimmlichen Qualitäten ins Finale geschafft haben, wird wahrscheinlich für immer ein Geheimnis bleiben. Schnuckelig sehen sie aus, der Song tut nicht wirklich weh, nach Finale schmeckt das trotzdem nicht. Die Drei werden Eric, Jon und Måns jeweils genug Mädchen-Stimmen geklaut haben, dass es für den Finaleinzug gereicht hat. Ob in Schweden nun für die Aussie-X-Factor-Teilnehmer eine große Karriere wartet? Schwer zu sagen. Erst einmal gab es nur Platz 10 für JTR.

Dinah Nah makes us La la la. Auch wenn wir für ihren Finaleinzug mit dem Ausscheiden von Dolly Style bezahlen mussten, sind wir froh, dass sie dabei war. Eine sehr gute Performance, sexy Tänzer und ein eingängiger Refrain. Am Ende reichte es nur für Platz 12. Ungerecht wie ich finde. Platz 12 wäre doch eher was für Oj oj oj ojojoj „Groupie“.

Ich muss zugeben, dass ich mit Jojk nicht wirklich viel anfangen kann. Es ist ein netter Song, bei dem man nebenbei spülen oder saugen kann, aber mehr gibt mir das nicht. Ich war damals aber schon für „Return to Innocence“ von Enigma oder „Adiemus“ von Adiemus nicht empfänglich. Die schwedische Presse sah schon früh ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Jon Henrik und Måns und so sollte es am Ende auch sein. Platz 2 für Jon Henrik Fjällgren und „Jag är fri“.

Jessica Andersson. Die Melodifestivalen-Gewinnerin von 2003 (zusammen mit Magnus Bäcklund als das Duo „Fame“ mit dem Song „Give me your Love“; Platz 5 bei Eurovision Song Contest) durfte in diesem Jahr zwischen zwei Songs entscheiden: ein Schlager oder eine Ballade. Ein wenig hatte ich schon die Hoffnung, dass sich Jessica dieses Mal für einen Schlager entscheidet, nachdem sie bereits in 2011 mit „I Did it for Love“ mit einer Ballade an Melodifestivalen teilgenommen hat. Aber mit „Can’t Hurt Me Now“ schickte sie ein weiteres Mal eine Ballade ins Rennen. Beklagen kann sie sich nicht. Musste sie 2011 noch durch Andra Chansen, durfte sich Jessica dieses Mal auf einen direkten Finaleinzug freuen. Mit einem Sieg hat niemand wirklich gerechnet, mit einem elften Platz jedoch auch nicht.

Inzwischen ist die neue Melodifestivalen-App komplett abgestürzt und SVT hat bekannt gegeben, dass alle Stimmen, die über die App abgegeben wurden, nicht gezählt werden.

Und hier ist er: Der hochgelobte Beitrag des Abends. Es ist ein netter Uptempo-Song, der durch die sympathische Ausstrahlung von Måns Zelmerlöw gut rüberkommt. Doch eines sollte man hierbei nicht vergessen: Es handelt sich um eine Kopie des David Guetta Songs „Lovers on the Sun“. Selbst der countryeske Anfang, die Strophen und der Refrain sind so stark gecovert, dass es ein Wunder ist, dass der Song nach wie vor so gehyped wird und niemand auf den offensichtlichen Song-Klau hinweist. Aber gut, die Saison ist noch früh. Warten wir einfach mal ab was passiert, wenn Nicht-ESC-Fans den Song hören und was die Presse dann schreiben wird.

Linus Svenning. Letztes Jahr mit seiner Kempe-Ballade „Bröder“ über Andra Chansen ins Finale eingezogen, ließ sich in diesem Jahr einen Emellie de Forest-Gedächtnissong schreiben. Natürlich wieder aus der Feder von Fredrik Kempe. Und auch in diesem Jahr half das viele Getrommel und Geschreie nichts, denn „Forever Starts Today“ musste auch dieses Mal über Andra Chansen einziehen. Armer Andreas Weise. Den Gesichtsausdruck als er realisierte, dass er aus Melodifestivalen ausgeschieden ist, war unbezahlbar. Für Herrn Svenning endete die Melodifestivalen-Fahrt in diesem Jahr auf Platz 6. Das kann sich meiner Meinung nach doch sehen lassen. Jedoch hoffe ich, dass Linus sich im kommenden Jahr ihm und uns eine Pause gönnt.

Auch wenn „Don’t Stop“ wohl bereits vor Taylor Swift’s „Shake it off“ geschrieben wurde, so ist die Ähnlichkeit unverkennbar. Was jedoch nicht von der Hand zu weisen ist: In diesem Jahr waren wir bei der Geburt eines neuen Stars live dabei. Von der guten Isa werden wir wohl in nächster Zeit noch einiges hören. Und nachdem sie direkt ins Finale eingezogen ist, wird wohl ebenfalls ein Album erscheinen. Da Taylor Swift ihre Songs bei Spotify hat entfernen lassen, freuen wir uns doch einfach auf Isa. Immerhin gab es für die Newcomerin am Ende Platz 7.

28 Songs und nur ein einziger richtiger Schlager. Jemand sollte dringend mit Christer Björkman über die Auswahl der Songs sprechen. „Möt mig i Gamla Stan“ hat mich persönlich dieses Jahr sehr erfreut und glücklich gemacht. Ohrwurm, poppig, eingängiger Refrain. Magnus Carlsson hat den Song perfekt rübergebracht, an der Performance gab es absolut nichts auszusetzen. Einige Mitstreiter dürfen sich bei dem Auftritt von Herrn Carlsson etwas abschneiden. Es ist heutzutage schon aussergewöhnlich, dass ein Sänger die Performance durchzieht und dabei perfekt live singt, ohne außer Atem zu sein. Leider reichte es am Ende nur für einen undankbaren 9. Platz. Schlagerfans dürfen sich jedoch freuen: Am 18.03.2015 erscheint das neue Album „Gamla Stan“ und Magnus Carlsson versprach uns bei Facebook einige Schlagersongs.

Eric Saade erzählt uns mal wieder von seinem DPOV. Dick Point of View. Bei Twitter postete Eric gestern „It’s stinks so bad, it drives you mad“. Ich möchte gar nicht darauf eingehen, welche sexuellen Vorlieben er damit andeuten möchte. Bereits vor dem Finale gab Eric bekannt, dass er auf jeden Fall noch einmal zurückkehren möchte um den Eurovision Song Contest für Schweden zu gewinnen. Na dann dürfen wir uns ja auf einen neuen Auftritt von Eric Saade freuen, denn am Ende reichte es nur für Platz 5.

„Don’t Stop Believing“. Ein düsterer, eingängiger Pop-Song gesungen von Mariette. Eine sehr starke Anlehnung an die Performance von Loreen. Perfekt gesungen, sehr gut rübergebracht, ein verdienter dritter Platz.

Und er durfte doch im Finale dabei sein. Nachdem sich der austragende TV-Sender SVT in der letzten Woche damit beschäftigen durfte, ob der Song „Guld och gröna skogar“ disqualifiziert werden müsste, nachdem der Song bereits vor vielen Jahren von den Produzenten an eine japanische Band verkauft wurde und die damit sogar einen kleinen Charthit verbuchen konnten, durfte der gute Hasse Andersson noch einmal sein Liedchen vortragen. Am Ende reichte es für den fröhlichen Dansband-Song sogar für Platz 4 (hier hätten wir lieber „Möt mig i Gamla Stan“ gesehen).

Es dürfte nicht überraschend sein, dass am Ende Måns Zelmerlöw das diesjährige Melodifestivalen gewonnen hat. Der Beitrag und auch seine Person wurden so dermaßen von der Presse und zu guter Letzt auch von Christer Björkman gepusht, dass ein anderes Ergebnis sehr überraschend werden. Man kann nur hoffen, dass ihm seine Kommentare im schwedischen Promi-Dinner „es ist einfach nicht normal für einen Mann mit einem anderen Mann zu schlafen. Ich will nicht sagen, dass das etwas falsches ist, aber es ist nicht die Norm. Normal ist, wenn Männer mit Frauen Kinder zeugen..“ nicht am Ende des Genick brechen. Der Auftritt ist inzwischen ein Jahr her und er hat sich dafür entschuldigt.

Halten wir ihm zu Gute das er während des Auftritts leicht angetrunken war und er sich bisher vorbildlich für die LGBT-Szene in Schweden eingesetzt hat. Oh.. und wir hoffen natürlich, dass sein Song nicht disqualifiziert wird, weil es eigentlich ein Cover von David Guetta ist. Und natürlich, dass er seine Videoleinwand in Wien nutzen darf, ohne die der Song nur halb so gut rüberkommt.

Vielen Dank SVT. Vielen Dank für ein tolles Melodifestivalen 2015. Wir freuen uns bereits auf’s nächste Jahr. Denn wie ihr wisst: Nach Melodifestivalen ist vor Melodifestivalen.

Categories: Melodifestivalen

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