Maria Voskania spielte schon in den größten Stadien der Republik, aber ihren Namen kennt fast niemand. Die hübsche Armenierin ist nämlich seit gut 5 Jahren Backgroundsängerin von Helene Fischer.

Zuvor nahm sie (noch unter dem Namen Meri Voskanian) bereits an diversen Castingshows teil und kann sogar zwei Teilnahmen an ESC-Vorentscheidungen vorweisen. 2007 kam sie bei der armenischen Vorentscheidung auf den zweiten Platz und im Lena-Jahr 2010 schaffte sie es bei „Unser Star für Oslo“ unter die letzten zehn. Ihre Wurzeln liegen eigentlich bei R’n‘B und Soul. Durch ihr Engagement bei Helene Fischer kam sie dann zur deutschsprachigen Musik und konnte im Jahr 2014 sogar ein erstes Album in diesem Bereich aufnehmen.

Die damalige Single „Was weißt denn du“ schaffe es leider nur knapp in die Top100 der Charts (auf Platz 100). Ihre bislang einzige Chartplatzierung. Immerhin durfte sie dieses Lied in der Helene Fischer Show präsentieren, im Duett mit selbiger, die Maria mit diesem Auftritt überraschte und einmalig von der zweiten in die erste Reihe holte. Sie ist also keine wirkliche Newcomerin mehr, konnte sich aber außer bei Insidern bislang noch keinen Namen machen. Mit dem zweiten Album „Perlen und Gold“ will die 28-jährige nun abermals zeigen, dass sie mehr als nur die zweite Geige spielen kann. Im Vergleich zum ersten Album haben sich Plattenfirma und Produzenten nicht geändert, sodass man wieder soliden Schlager-Pop erwarten lässt. (Ansgar Kuhn für schwedenschlager.de)

Perlen und Gold
Perlen und Gold – http://amzn.to/1Me2O7V

Wahnsinnsgefühl *****

Eine spannungsreiche Melodie mit leichter Melancholie über einem 80er-Diskofoxbeat. Ein Hauch von Modern Talking. Eine sehr lange Bridge, fast wie eine eigene Strophe. Anschließend ein starker Keychange/Rückung/Tonartwechsel (von e-moll zu g-moll, um genau zu sein) und Schlussakkorde wie bei einem Schwedenschlager. Da kann man nur sagen: ein Wahnsinnsgefühl!

Wer mit dem Feuer spielt *****

Die Harmonien sprechen hier eine eindeutige Sprache, und zwar nicht Schwedisch, sondern Hochdeutsch. Ein Schlager der 80er à la G.G. Anderson. Zeitgemäß ist hier gar nichts, aber das sind die meisten Titel von Helene Fischer auch nicht. Mir gefällt es, auch und vor allem wegen des Keychange.

Gefallener Engel *****

Hier wird es nun moderner und auch schneller. Beatlastiger Diskofox, der kurz vor der Schwelle zur Kategorie Dance steht, aber nur fast. Die leicht billig wirkenden Synthies verhindern es. In der Bridge variiert Maria zum ersten Mal ein bisschen die Melodie und zeigt so, dass sie mehr kann als nur geradeaus zu singen. Stimmlich kommt sie hier wahrscheinlich trotzdem nicht ansatzweise an ihre Grenzen. Schön auch wieder der schwedische Schluss.

Was wäre wenn *****

Die erste Ballade. Eine sehr angenehme Coverversion von „What If“, Kate Winslets einzigem Ausflug in die Musik aus dem Jahr 2001. Zum Song muss man nicht viel sagen, es bleibt die bekannte Powerballade mit allem Drum und Dran, textlich ist es quasi eine Eins-zu-Eins-Übersetzung.

Zitronenlimonade *****

„Sprite“ wäre wahrscheinlich zu hip gewesen. Nach den ruhigeren Tönen zuvor, wird man nun von harten Mallorca-Beats förmlich aufgeschreckt, sogar eine E-Gitarre ist dabei! Hier knallt es. Kommen die Strophen noch etwas prollig daher, rettet sich der Refrain in einer angenehm lieblichen Ohrwurm-Melodie und haut gut rein. Nach schlimmen ersten 10 Sekunden ist es doch noch ein achtbares Stück Gute-Laune-Musik geworden.

BauchBeinePo *****

Mit guter Laune geht es weiter. Karibische Klänge im Intro geben einem direkt ein Gefühl von Sommer. Überraschenderweise geht es im Text gar nicht darum, sondern um Entschleunigung im Leben. Das wird sogar musikalisch umgesetzt. Es ist zwar alles andere als ruhig, aber da Maria die Töne meist minimal verlängert und immer etwas hinterm Beat singt, nimmt sie so subjektiv etwas Geschwindigkeit aus dem Song. Was normalerweise eher schleppend klingt, wirkt hier ist sehr passend.

Perlen und Gold *****

Nun der Titelsong. Eine sanfte Ballade, die mit Cello, Klarinette, Gitarre und Klavier eher zurückhaltend instrumentiert ist. Ihre Stimme erinnert mich hier sehr an Yvonne Catterfeld in ihrer Bohlen-Zeit. Mehr gibt es leider hier nicht zu sagen.

Davidam *****

Im Uptempo-Ofen legen wir nochmal eine Schippe drauf. Nach der Ballade gibt es nun einen richtigen Partytrack. Ich höre ein bisschen DJ Bobo heraus, sowohl beim 90s-Trance-Beat, als auch bei den Chor-Sequenzen. Mit Zitaten wie „Partyo – Dreh das Radio auf und die Party geht ab“ klingt es für mich etwas zu gewollt nach Party. Davidam hat übrigens keine tiefere Bedeutung, sondern ist nur Platzhalter an einer Stelle im Refrain, an der man keine Ideen mehr für einen gehaltvollen Text hatte. Warum auch. Ich sag nur: Weine nicht wenn der Regen fällt…Dam Dam.

Tequila *****

Nachdem „BauchBeinePo“ schon eine Prise Sommer versprühte, bekommen wir nun die volle Dosis. Flamenco-Gitarren, Trompeten und sogar ein Steeldrum-Solo! Fernweh-Feeling garantiert. Ein sehr guter Sommer-Schlager, leider ist der Text nicht so der Brüller: „Ich brauche keinen Tequila, denn du bist der Knüller“.

Rosarote Brille *****

Wir sind wieder beim puren Schlager angekommen. Frei von Einflüssen aus anderen Genres gibt es eine fröhliche Ohrwurm-Melodie und einen Synthiebeat, der treibt. Es packt mich allerdingt nicht so wie die anderen Songs, irgendetwas fehlt mir hier.

Verlang ich zu viel *****

Was hatten wir noch nicht? Genau, eine Pop-Ballade im Midtempo. Die kommt jetzt und bringt keltische Flöten und ein Saxophon-Solo mit. Dunkle Erinnerungen an den ESC der 90er.

Meilenweit *****

Und wieder waschechter Diskofox. Ohne Ecken und Kanten, aber mit einem ausgefallenen Text. Statt „Meilenweit“ hätte er besser „Hör dir mal diesen Song an“ geheißen, denn es geht um die Euphorie, in die man gerät, wenn man jemandem von seinen Lieblingssongs überzeugen will. Dazu besteht die Bridge aus Songzitaten, z.B. „Chirpy Chirpy Cheep Cheep“, „Der Kommissar“, „99 Luftballons“ oder „Mamma mia“.

Mit mir geh‘n *****

Zum ersten Mal gibt es kaum einen merklichen Unterschied zum Song davor. Hier gibt es zwar einen Keychange, aber der Rest klingt wie der Diskofox davor. Das Fadeout am Ende ist sinnbildlich für die Einfallslosigkeit bei diesem Titel.

Traum und Wirklichkeit *****

Nicht zufällig wurde in „Meilenweit“ der Song “Mamma mia“ erwähnt, denn hier gibt es ein Intro, das auf den Harmonien dieses ABBA-Songs basiert. Danach entfaltet sich langsam die Strophe und man hat das Gefühl im Hintergrund macht sich ein Uptempobeat bereit, aber wenn der Refrain einsetzt, weiß man: es bleibt eine Ballade. Schade, ich hab mich schon gefreut, dass ein Album mal nicht mit einer Ballade abgeschlossen wird. Die Songstruktur und die Melodie schreien jedenfalls förmlich nach einem Remix.

Gesamtbewertung *****

Es beginnt sehr stark mit dem besten Song zu Anfang. „Wahnsinnsgefühl“ hat das Zeug zur Single. Auch die Sommersongs in der Mitte gehören ins Radio. Gegen Ende wird das Album etwas schwächer. Aber insgesamt sind alle Songs ultraeingängig. Die Handschrift ist eher Diskofox als Dance-Schlager. Wem also harmonische Melodien wichtiger sind als harte Beats, wird an diesem Album Spaß haben, wobei es auch den ein oder anderen Ausflug in moderne Gefilde gibt. Richtig innovativ wird es allerdings nie.

Passend zum Albumtitel könnte man das Sprichwort „Perlen vor die Säue werfen“ zitieren, denn Maria ist mit ihrer Soulstimme leider hoffnungslos unterfordert, aber gerade diese Besonderheit ihrer Stimme machen manche durchschnittlichen Songs erst reizvoll. Ich würde mir sehr wünschen, dass das Album den Weg in die Charts findet, aber leider fehlt es Maria an TV-Präsenz, wenn man ihre Engagements als Helene-Fischer-Background mal außen vor lässt. Hoffentlich kann sie bald von ihrer dort gesammelten Erfahrung profitieren und endlich voll durchstarten, in welchem Genre auch immer.

Das Album „Perlen und Gold“ jetzt bei Amazon.de als Download kaufen.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.