„Super Trouper“ – so heißt das Debütalbum von Julia Lindholm, das jetzt erschienen ist. Dass ABBA-Songs auch auf Deutsch funktionieren, wissen wir seit das ABBA-Musical „Mamma mia“ 2002 in Deutschland Premiere feierte. Nun liefert uns Schweden erneut einen Export und setzt noch einen drauf. Die 22-jährige Julia Lindholm aus Stockholm singt die alten Hits ihrer Landsmänner auf Deutsch im Schlagergewand. Kann das gut gehen? Hier unsere Einschätzung dieser Schwedenschlager.

Julia Lindholm wandelt auf den Spuren von ABBA


Julia Lindholm - Super Trouper

Super Trouper *****

Als erste Vorab-Single geschickt ausgewählt, denn auch bei den A-Teens war dies das in Deutschland erfolgreichste ABBA-Cover. Die deutsche Version von Julia Lindholm unterscheidet sich auch nicht groß von der A-Teens Version, bis auf den Text natürlich. Leider ist es nicht die Übersetzung aus „Mamma mia“, sondern ein Text von Rosi Kindler, die schon so namenhafte Künstler wie Schäfer Heinrich mit Texten versorgte. Insgesamt sehr dürftig, das alles.

Waterloo *****

Bei einem ABBA-Trubte Album darf natürlich DER Song nicht fehlen, mit dem der große internationale Durchbruch gelang. Dabei ist er mit seinem Jive-Rhythmus gar nicht mal so typisch für ABBA. Im Vergleich zum Original ist das Tempo gleich geblieben, aber das Arrangement ist natürlich etwas elektronischer. Der Text ist der Originaltext, den auch ABBA selbst für ihre deutsche Version anno 1974 verwendet hat. Immerhin.

Mamma mia *****

Man muss schon zweimal hinhören, wenn man verstehen will, was sie singt. Dabei ist Deutsch doch dem Schwedischen gar nicht so unähnlich? Auf den Text will ich nicht näher eingehen. Es reimt sich zumindest. Die Gitarre ist sehr nah am Original, aber der Discobeat danach macht es wieder kaputt. Vieles lässt es hier billig wirken, insbesondere die Parts mit der verzerrten Stimme. Nein danke.

S.O.S. *****

1975 sang diesen deutschen Text von Fred Jay schon mal eine Schwedin ein: Lena Andersson (nicht verwandt mit Benny) bespielte mit ihrer Stimme damals das original Backingtrack von ABBA. Julia Lindholm muss sich mit einem bassverstärkten, synthetischen Faksimile begnügen.

Leg dein Herz an meine Leine *****

Wer es am Titel nicht direkt erkennt. Es handelt sich um „Lay All Your Love On Me“, einer der diskoträchtigsten ABBA-Songs, also wie gemacht für ein Popschlager-Remake. Und tatsächlich wirken die Synthiebeats hier nicht ganz so fremd. Und es gibt eine lässige Chorstelle nach dem zweiten Refrain, die es im Vergleich zum Original etwas aufwertet. Aber der Text… „Leg dein Herz an meine Leine“? Was ist das für ein Deutsch? Kann gar nicht glauben, dass Michael Kunze das so für das Musical getextet hat.

Money Money Money *****

Also entweder sind meine Kopfhörer kaputt oder der Song ist durchzogen von störenden Hintergrundgeräuschen. Für mich der schlecht produzierteste Song auf dem Album. Text wieder aus „Mamma mia“ von Michael Kunze.

Fernando (…und der Himmel war zum Greifen nah) *****

Hier einer der wenigen Texte, der so alt ist wie das Original. Miriam Frances schrieb 1976 für die bereits erwähnte Schwedin Lena Andersson diesen deutschen Text; die landete damit sogar in der ZDF-Hitparade. Julia Lindholm ist zwar stimmlich näher am Original, machte aber daraus einen unpassenden Cha Cha Cha. Schön für „Let’s Dance“, aber hier fehl am Platz.

Der Sieger hat die Wahl *****

Die Pianoparts sind geblieben. Insgesamt natürlich mehr Uptempo, was dem Ganzen auch etwas mehr Druck verleiht und sogar recht ordentlich klingt. Leider ist es der Kunze-Text aus „Mamma mia“ und nicht die originalgetreuere Version von Marianne Rosenbergs „Nur Sieger steh’n im Licht“ von 1980.

Ich sah deine Tränen *****

Dafür aber jetzt: die 82er Rosenberg-Interpretation (übersetzt von Bernd Meinunger). Trotz erstklassiger Lyrik ein Song, der wirklich nur im Original von ABBA wirkt. Das hier ist leider sehr belang- und lieblos.

Ich leb‘ im Traum *****

Der UNICEF-Song. ABBA schenkten dem Kinderhilfswerk seinerzeit die Rechte an diesem Lied. Somit werden auch hier wieder ein paar Cents Richtung Vereinte Nationen fließen und die Aufnahme erfüllt damit immerhin einen guten Zweck, wenn sie schon keinen klanglichen Mehrwert darstellt. Die erste deutsche Interpretation dieses Textes stammt übrigens von Nana Mouskouri 1983.

Dancing Queen *****

Wieder ein Song nach dem Motto „Musste das sein?“. Ein gutes Lied bleibt natürlich ein gutes Lied, aber diese Interpretation hat es nicht gebraucht. Das Ensemble von „Mamma mia“ bringt hierfür eindeutig mehr Leidenschaft auf, selbst nach der hundertsten Vorstellung.

Danke für die Lieder *****

Die erste Strophe wird komplett vom dumpfen Knistern wie bei ner alten Schallplatte unterlegt. Nur weiß man bei dem schlecht abgemischten Album ja leider nicht, ob das nun Absicht war oder nicht. Sicherlich absichtlich wird aber das neapolitanische Flair sein, welches ab der zweiten Strophe durch ein wirklich gelungenes Mandolinen-Tromolo ausgelöst wird. Erstinterpret des Wolfgang Hofer-Textes war Rex Gildo 1981.

„Super Trouper“ ist das erste Album von Julia Lindholm

Schwindelfrei *****

Der erste eigene, neue Song auf dem Album. Auch schwedisch, aber auf eine andere Art. Nach drei Sekunden weiß man nämlich sofort, wo die Reise hingeht. Das hier ist mehr „Euphoria“ als es „Glorious“ je war. Die gleiche düstere Stimmung, die exakt gleichen Effekte. Bis zum Refrain könnte man denken, es sei dasselbe Playback. Der Chorus hat zugegebenermaßen eine leicht andere Melodie, dennoch kann man die Inspirationsquelle nicht verleugnen. Einmal mehr fällt Julias schlechte Aussprache auf. „Wir sind vom Hund bewacht“?

Du bist mein Zuhause *****

Und noch ein Nicht-ABBA-Song, aus der Feder von Christian Geller. Eine 0815-Ballade mit viel Piano und Flamenco-Gitarre. Später dann wird die Mandoline wieder rausgekramt. Leider ist die Melodie schon nach der Hälfte vergessen. Und Keychange natürlich Fehlanzeige.

Gesamtbewertung: *****

„Super Trouper“ ist für mich ein überflüssiges Album. Darauf hat die Welt nicht gewartet. Weder heben die Arrangements die Songs auf eine nächst höhere Stufe, noch sind die Texte neu. Auch die zwei eigenen Songs sind alles andere als innovativ. Ich habe nicht das Bedürfnis irgendwas davon noch einmal anzuhören. Sowohl die Cover von „Super Trouper“ als auch die neuen Songs sind zum Großteil sehr schlecht produziert. Dazu kommt, die schwer zu verstehende Aussprache von Julia Lindholm, die es schafft den ja eigentlich süßen schwedischen Akzent nervig wirken zu lassen.

Mehr von Julia Lindholm findet Ihr hier:

Das neue Album „Super Trouper“ als CD und Download. 

 

(Bild: (c) julia-lindholm.de; Text: Ansgar Kuhn für Schwedenschlager.de)

 

 

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