Julia Kollat – Unsterblich


„Unsterblich“ – so heißt das Debütalbum von Newcomerin Julia Kollat. Schlager boomt nach wie vor und so gibt es auch vermehrt Veröffentlichungen von Newcomern bzw. insbesondere von Newcomerinnen.

Julia Kollat - Unsterblich (c) Jupiter
Julia Kollat – Unsterblich (c) Jupiter

Viele Plattenfirmen möchten neben Andrea Berg, Helene Fischer, Beatrice Eglli & Co weitere Interpretinnen etablieren. Vielen Veröffentlichungen fehlt es aber an Potential. Ich habe aber eine junge, neue Künstlerin entdeckt, von der ich denke, dass sie gute Chancen hat und viele Voraussetzungen erfüllt, um in der Schlagerwelt erfolgreich zu sein: Julia Kollat.

Die 23-jährige Julia Kollat stammt aus Nienburg und studiert Kinderpädagogik. Aber schon seit vielen Jahren spielt auch die Musik eine wichtige Rolle in Ihrem Leben. Julia hat nicht nur eine ausgezeichnete Stimme, sondern komponiert auch eigene Lieder am Klavier. Lange trat sie allerdings nur im Freundeskreis und bei kleinen Feiern auf. (Text: Merlin Dumke für Schwedenschlager.de; Bild: JuliaKollat.de)

Julia Kollat ist „Die Stimme von Morgen“

Im Mai 2015 bewarb sie sich beim UFA-Casting-Wettbewerbs „Die Stimme von Morgen“ und wurde dort zur strahlenden Siegerin. Jury-Präsident war niemand Geringeres als Altmeister und ESC-Veteran Ralph Siegel, der Julia Kollat unter seine Fittiche nahm.

Er produzierte ihre Debutsingle „Schlaflos ohne dich“ und vermittelte den Kontakt zu seinem Kollegen Julian Feifel (u.a. produzierte er für die No Angels und Mia Aegerter), der ihre zweite Single „Blumen von Paris“ komponierte und produzierte. Beide Titel wurden zum Achtungserfolg in der, für den Schlagermarkt relevanten, deutschen DJ- Hitparade.

Nun legt Julia Kollat ihr erstes Album vor. Dieses wurde auch von Ralph Siegel und Julian Feifel komponiert und produziert, wobei Julia bei eingen Songs mitgeschrieben hat und einen Titel komplett selbst komponiert und getextet hat.

Unsterblich *****

Dieser Titel ist die dritte Single von Julia Kollat, die insbesondere im Radio für das Album werben soll. Leider finde ich, dass das die völlig falsche Wahl ist. Während ich die Strophen ganz gut finde, geht mir der „damdubidam“- Refrain schon beim ersten Hören auf die Nerven. Das ist auch weit entfernt von aktuellen musikalischen Trends, sondern klingt nach den späten 90ern. Für mich der einzige schwache Song auf dem Album.

Und wär es nur eine Nacht *****

Direkt der nächste Song ist wesentlich stärker. Vom Sound her hätte „Und wär es nur eine Nacht“ auch gut auf das aktuelle Album von Andrea Berg gepasst. 100% Schlager mit einem sehr eingängigem Refrain und tollen Soundeffekten. Ich mag auch den wirklich originellen Sprechteil gerne. Am Ende des Songs hört man den Chor sehr gut, der toll arrangiert ist.

Du schleichst dich langsam in mein Herz *****

Eine weiteres Highlight ist diese starke, originell arrangierte Schlager-Ballade mit mittlerem Tempo und sphärischen Sounds. Als Komponistin ist Lillemor Lindberg vermerkt, aber ich bin hundert Prozent sicher, dass das eine Siegel-Komposition ist. Siegel verwendet ja seit Jahrzehnten gerne Pseudonyme und hier gibt es ganz viele typische Siegel-Song-Elemente. Unter anderem die Tempi-Wechsel, die immer etwas polarisieren, mir persönlich aber sehr gut gefallen. Die Bridge „Und ich komme fast ins Taumeln…“ ist für mich der stärkste Part. Den Text hat Julia Kollat selbst geschrieben. Arrangiert wurde der Song von Mats Björklund, der schon für Boney M., Juliane Werding und Roland Kaiser gearbeitet hat. Für mich der stärkste Titel auf dem Album.

Sprünge im Herz *****

Klassisch arrangierter Schlager mit eingängigem „Ohoho“-Part. Der Titel steigert sich schön. Positiv ist hier auch das Chor-Arrangement zu erwähnen, aber der Titel bleibt bei mir nicht im Ohr und geht etwas unter.

Egoist (Was ich dir noch sagen wollte) *****

Das nächste Highlight: Ausgesprochen originell dieser Pop-Schlager aus der Feder von Ralph Siegel – wieder mit Tempowechsel und einem im Refrain fast nostalgischen Arrangement. In den Strophen ist es quasi Sprechgesang- sehr authentisch interpretiert Julia Kollat den starken Text, für den Altmeister Bernd Meinunger verantwortlich ist. Wieder ganz stark: die Chöre. Am Ende gibt es wieder einen kompletten Sprechteil. Trotz der Breaks mit vielen verschiedenen Song-Parts wirkt der Titel rund und gefällt mir ausgezeichnet.

Schlaflos wegen dir *****

Eine Midtempo-Nummer mit schöner Melodie und sehr getragenem Refrain. Ganz unter dem Motto „Sehnsucht pur“. Julia Kollats Stimme kommt hier besonders gut rüber. Der Song war ihre Debut-Single nach Ihrem Sieg bei „Die Stimme von morgen“.

Blumen von Paris *****

Bei der Vorab-Single „Blumen von Paris“ setzt Produzent Julian Feifel auf moderne Sounds, die man von aktuellen Chart-Hits kennt. Erinnert mich vom Sound her etwas an Michelles „Leben bis es weh tut“. Ein moderner Pop-Schlager, dessen Refrain durch die Wiederholung („Blumen von Paris, Paris, Paris, Paris, Paris“) sehr eingängig ist. Ein Ohrwurm und zurecht ein großer Erfolg in den Radio-Charts.

Eismeer *****

Eine modern arrangierte Pop-Ballade, die vom Sound her etwas an Jamie-Lee oder Eisblume erinnert. Eine weitere, interessante Facette von Julia Kollat, die diesen Titel besonders stark interpretiert. Der sehr metaphorische Text und das Arrangement passen hervorragend zusammen.

Der Moment ist das was bleibt *****

Diesen Titel hat Julia Kollat komponiert und geschrieben. Eine Midtempo-Nummer, die man gut hören kann, der aber die Eingängigkeit fehlt. Gut gesungen, sauber arrangiert, aber so richtig packt der Titel mich nicht.

Die Karten werden neu gemischt *****

Ein sehr poppig arrangierter Titel aus der Feder von Julian Feifel. Könnte auch auf einem Glasperlenspiel-Album mit dabei sein. Das ist wahrscheinlich der Grund warum mir der Song nicht so gefällt. Auch hier: saubere Arbeit, soundtechnisch und textlich auf der Höhe der Zeit, aber nicht „my cup of tea“.

Eine Welt *****

Wieder ein sehr poppiger Song, diesmal locker-leicht produziert mit elektronischen pizzicato-Sounds, was im Gegensatz zum ernsten Text steht und trotzdem gut passt. Der sehr eingägige, fast hypnotische Part gegen Ende „Wir tanzen zum selben Beat, Beat, Beat…“) gefällt mir musikalisch gut und verdeutlicht die Aussage des Songs: Eine Welt – wir tanzen zum selben Beat. Könnte auch ein Song vom aktuellen Vanessa Mai-Album sein. Von den Julian Feifel-Songs der für mich Stärkste.

Träume sind geil *****

Stark inspiriert von Siegels Song für Lys Assia aus der Schweizer ESC-Vorentscheid von 2012, den ich damals schon mutig und sehr gelungen fand. Hier verwendet Siegel sein bereits bekanntes Pseudonym Peter Match. Ein ganz typischer Siegel-Song- muss man mögen. Mir gefällt es sehr. Soundtechnisch etwas an aktuelle Charterfolge angepasst. Sprechteil, Bridge, Refrain- gefällt mir musikalisch ausgezeichnet. Ein Song für Party im Wohnzimmer.

Dann gibt es noch zwei gelungene Remixe: Eine etwas ruhigere Variante von „Sprünge im Herz“ und ein cooler Remix von „Blumen von Paris“ mit elektronischen funky sounds, der noch etwas stärker als das Original ist.

Gesamtbewertung *****

Julia Kollat legt hier ein facettenreiches Debütalbum vor, das sehr gut in die Zeit passt. Ein paar Popsongs, ein paar typische Schlager, klassische und moderne- elektronische Balladen- das sind die Zutaten aus denen erfolgreicher Schlager-Alben im Jahr 2016 sind. Man merkt hier, dass erfahrene Produzenten am Werk waren, die unterschiedliche Sounds anbieten, die aber in der Kombination gut harmonieren. Julia Kollat selbst hat eine schöne Stimme, die zu den verschiedenen Songs gut passt. Dadurch wirken ihre Interpretationen, trotz sehr verschiedener Sounds, immer authentisch.

Kritik hab ich auch: Schade, dass der in meinen Augen schwächste Titel zum Repräsentant für das Album ausgewählt wurde. Ich finde, dass „Unsterblich“ dazu nicht geeignet ist. Das gilt auch für das Album-Cover, das ich mir ruhig etwas moderner gewünscht hätte. In dem zarten rosa mit den Blumen wirkt es etwas veträumt- Prinzessinnen-haft, was zu dem Album gar nicht so passt. Ich hoffe, dass die CD trotzdem von vielen Schlager-Fans wahrgenommen wird und sich in den Charts platzieren kann.

Der sympathischen Newcomerin Julia Kollat, ihrem Produzenten-Team und diesem gelungenen Schlager-Pop-Album wäre es zu gönnen.

Categories: Deutschpop,Review

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