„Sinfonie der Träume“ – so heißt das Debütalbum von Newcomerin Franzisika Wiese. Kaum hat Alexander Rybak seine Geige an die Seite gelegt und seinen ersten Song ohne seine bessere Hälfte aufgenommen, kommt Franziska Wiese mit diesem Instrument um die Ecke. Franziska wer? Die Newcomerin aus Sachsen ist so new, dass sie (noch) nicht mal einen Wikipedia-Eintrag hat, aber der wird sicher nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Hinter den Kulissen schon seit ein paar Jahren aktiv, traut sich die ausgebildete Violonistin und ehemalige Hartz-IV-Behörden-Angestellte Franziska Wiese in diesem Jahr erstmals auch als Sängerin auf die Bühne und veröffentlichte im Frühjahr ihren ersten Song „Ich bin frei“. Eine eigene Mischung aus Pop, Schlager und sinfonischen Klängen.

Heute erscheint nun endlich das langersehnte Debütalbum „Sinfonie der Träume“. (Wie sollte es auch anders heißen? Nicht zu verwechseln übrigens mit Lazare Saminskys gleichnamigem Orchesterwerk aus 1918). Produziert von ihrem Förderer André Stade und Co-Produzent Thorsten Brötzmann (No Angels, Jeanette, Matthias Reim, Howard Carpendale, Alexander Klaws u.v.m.). Es darf also eine hohe Qualität erwartet werden. (Text: Ansgar Kuhn, (c) Fotos: Universal Music)

 

Franziska Wiese - Sinfonie der Träume (Foto: (c) Universal Music)
Franziska Wiese – Sinfonie der Träume (Foto: (c) Universal Music)

Sturm der Fantasie *****

Es beginnt natürlich mit einem ruhigen Geigenspiel und vor dem inneren Auge sieht man die ersten stillen Naturbilder, bevor die leichte Brise zu einem Sturm wird und ein paar härtere Takte erklingen. Kein Symphonic-Metal und nichts was einen Schlagerfan abschrecken würde, aber doch relativ druckvoll. Insgesamt ziemlich gegensätzlich. Zurückgenommene Strophen, ein pompöser Refrain im epochalen Soundtrack-Gewand und zwischendurch immer wieder ein Violinensolo . Als Opener bestens geeignet, denn es ist alles drin was das Album ausmacht. Um bei den Begrifflichkeiten der klassischen Musik zu bleiben: Eine echte Ouvertüre.

Sinfonie der Träume *****

Catchy, poppig und tanzbar, aber nicht hemmungslos fröhlich, sondern leicht melancholisch. Das wäre glaube ich die korrekte Umschreibung für diesen Ohrwurm. Beim Pizzicato- Arrangement mit Pop-Beat in der Strophe hat man mich schon. Wenn sich zum Refrain die Schlagzahl verdoppelt erst recht. Dazu eine wuchtige Fluch der Karibik-Reminiszenz als Bridge. Toll!

Mirama ******

72 Sekunden lang fragt man sich wer oder was Mirama ist, bis dann der Dancebeat einen alles vergessen lässt. Auch hier wieder ein wunderbares Geigenthema und ein supereingängiger, „schlagrantiger“ Refrain (Zitat Kristina Bach) im sinfonischen Kleid. Mein persönliches Highlight: der Chor. Hat sogar einen kleinen Mello-Moment.

Wo auch immer du bist *****

Nach 2 ½ schnellen Nummern, nun das erste Mal Midtempo. Ein stark schlagermäßiger Refrain, der aber doch auch ein wenig in Belanglosigkeit abdriftet. Dafür ein sehr starkes Instrumental. Kleines Manko: das erste Mal, dass ein fehlender Keychange wirklich auffällt.

Ich bin frei *****

Nun die bereits erwähnte Vorab-Single, die mich beim ersten Hören sofort gefangen hat und bis heute nichts von ihrer Wucht verloren hat. Besonders die exzellente Produktion begeistert nach wie vor. Harte Beats, zarte Violinenklänge und ein absoluter Mörderrefrain. Die kraftvolle Melodie unterstreicht den Text über erlebte Freiheit und die Pflichtvokabeln „Phönix“ und „Wolkenfrei“ dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Welt der einsamen Herzen *****

Wenn es bislang etwas annähernd vergleichbares wie den Sound von Franziska Wiese gibt, dann den von Oonagh. Und so war auch mein erster Gedanke „Klingt wie Oonagh ohne Elbisch und mit mehr Beat“. Es ist wirklich treibender Uptempo und der instrumentale Klang strotzt voller Energie und Naturgewalt. Nur der schmalzige Text passt meiner Meinung nach nicht so zum Ethno-Sound.

Kleine Taube *****

Eine Geige (was sonst?) spielt eine nicht ganz unbekannte Melodie. Klingt ein wenig nach einer neu arrangierten Version von „Spuren auf dem Mond“ von Ella Endlichs letzten Album. Das trifft allerdings nur auf das Violinenthema zu. Der Rest ist ein eigenständiger Ohrwurm mit neuen wunderbaren Melodien. Und hier passt auch der der Text wieder zum „Draußen-Sound“.

Mosaik *****

Eine unscheinbare Walzer-Ballade. Nicht windmaschinentauglich! Kein richtiger Höhepunkt, aber immerhin der erste Keychange. Auf die Violine wird hier sogar fast ganz verzichtet. Es ist nicht schlecht, aber es könnte auch von Michelle aus den 00ern stammen.

Wüstenblume *****

Ein aufbauend gedämpftes Tempo führt uns durch den Song. Die Strophe wird ungewohnt tief gesungen, klingt aber nicht minder interessant. Das Arrangement ist sehr verspielt und es gibt einiges darin zu entdecken. Auch der Chor macht seine Sache sehr gut. Mein Highlight: der Pre-Chorus („sie weint, weint, weint“ „sie scheint, scheint, scheint“).

Liebe brennt *****

Beginnt wie eine typische ESC-Balkan-Ballade von Željko Joksimović. Sehr ruhig, aber steigert sich kontinuierlich um hinten raus zu explodieren. Ein Stück mit vielen Metaphern zum Gedankenverlieren. Ausnahmsweise weniger Orchester-Beat und mehr Live-Band, so hat man das Gefühl. Aber nicht weniger Violine. Und der Chor kriegt auch sein Solo. Am Ende gibt’s noch einen schönen Epilog zum Ausklingen. I like.

Wunderland *****

Jetzt wird es wieder schneller. Auch wenn es kein astreiner Fox ist, fordert es einen irgendwie zum Tanzen auf. Hier habe ich eine weitere Assoziation „The Spirit Of The Hawk“. Aber nur kurz. Die Violine bringt mich wieder auf den Boden des Wunderlandes. Markant: das Violinenthema ist hier der eigentliche Refrain.

Wie weit kann Liebe tragen *****

Und natürlich wie es das Gesetzt verlangt, zum Abschluss eine Ballade. Der gefühlvollste, ruhigste, aber auch belangloseste Titel des Albums. Hätte nicht sein müssen. Aber 12 ist halt eine schönere Zahl als 11.

Gesamtbewertung: *****

Die Erwartungen nach „Ich bin frei“ waren immens und sie wurden erfüllt (bis auf den niedrigen Keychange-Faktor). Ein Ohrwurm jagt den nächsten und die Melodien haben nicht nur wegen der Geige eine ganz besondere Qualität. Hinzu kommt das glasklare HD-Arrangement mit der perfekten Mischung aus Soundtrack, Ethno, Pop, Schlager und sinfonischer Musik. Ein einzigartiger Sound. (Wobei böse Zungen auch sagen könnten: ist es nicht einfach Rondo Veneziano mit Gesang?) Für einen Newcomer gibt es nichts Besseres als mit seiner Musik eine Marktlücke zu füllen und das ist hier der Fall. Hoffentlich werden wir noch viel von Franziska Wiese hören. Ich bin sehr gespannt, wie sich ihre Karriere entwickeln wird und vergebe eine aufgerundete Höchstnote.

Hier kannst Du das Album „Sinfonie der Träume“ und weitere Songs downloaden:

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