Beatrice Egli muss man niemandem mehr groß vorstellen. Die DSDS-Gewinnerin von 2013 ist mittlerweile ein Schwergewicht im Schlagergeschäft. Heute erscheint bereits ihr 5. Studioalbum „Kick im Augenblick„.

Kein Gewinner konnte sich so im Musikbusiness etablieren wie die sympathische Schweizerin, und das zuletzt auch ohne Dieter Bohlen. (Kaum zu glauben, dass sie 2007 im Duett mit Lys Assia beim Grand Prix der Volksmusik gnadenlos scheiterte.)

Wie beim Album davor ist wieder Joachim Wolf ausführender Produzent. Er zeichnet sich auch für einen Großteil der Melodien verantwortlich. Einige Texte steuerte die „Atemlos“-Schöpferin Kristina Bach bei und sogar die Interpretin selbst hat bei einigen Songs Hand angelegt. (Foto: (c) Universal Music; Text: Ansgar Kuhn)

Beatrice Egli erfindet sich selbst neu


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Fliegen ******

Genauso stellt man sich einen Egli-Song vor. Ein kraftvoller Opener im typischen Egli-Sound, der schon die letzten Alben ausgemacht hat. Beatlastiger Diskofox mit allerhand Soundeffekten und euphorischen Refrainpassagen.

Kick im Augenblick *****

Die erste Single. Als Zugpferd für das Album eine absolut richtige Entscheidung. Ein Song zum Lauterdrehen. Uptempo mit perfekter Symbiose aus Strophe und Refrain. Die Hook ist sehr hymnisch und bleibt sofort im Ohr. Später in der Bridge werden wir sogar mit einem Dubstep-Moment überrascht. Der Ausgleich für den fehlenden Keychange.

Karussell *****

Kinderlachen und Drehorgeln eröffnen einen weiteren Schlagerfox, der nach dem Knaller zuvor aber leider etwas abfällt. Thema: Das seit den 50er Jahren immer wieder gern besungene „Karussell“. (Man denke nur an ihre alte Erzfeindin Lys beim ESC 1956). Die oft wiederholte Zeile „alles dreht sich“ lässt es leider zeitweise wie ein Kinderlied wirken.

Ich bin da ******

Diesmal wieder eine Prise härteren Diskofox; mit den typischen Hintergrundsounds, die man auch bei Schlagern der Sorte Michael Wendler findet. Klingt nicht nur zufällig nach Hüttenspaß zum Mitsingen, denn es geht hier über einen Auftritt vor ihren Fans und das gemeinsame Musikerlebnis. Eine persönliche Erfahrung also, weswegen Beatrice auch selbst den Text verfasst hat (was man aber leider hört).

Die Musik sind wir *****

Es wird einen Hauch langsamer und auch einen Hauch weniger aufdringlich. Von der Atmosphäre her geht es in Richtung „Lichtermeer“ von ihrem letzten Album. Melancho-Dance inklusive Keychange. Hier fühle ich mich zu Hause und das ganze 4 Minuten lang. Die vom Melodifestivalen bekannten Piano-Schlussakkorde runden es perfekt ab.

Die längste Nacht *****

Das Elektro-Intro verspricht wieder viel Tanzbares. Die Strophen gefallen durch gut ausgearbeitete Melodik, im Refrain wird es etwas zu belanglos. Es geht natürlich ums Partymachen, deswegen auch wieder viele „oh-oho“s (‚Atemlos‘ lässt grüßen). Nur die E-Gitarre kennt man von Andrea Berg.

Nichts als die Wahrheit *****

Eine Ballade? Na gut, wenn es sein muss. Es beginnt ruhig nur mit Klavier, später kommen Streicher dazu. Das ist aber schon alles, was passiert. Ich glaube, Beatrice hatte selbst nicht viel Lust drauf, aber eine Ballade pro Album muss es halt geben.

Jetzt erst recht *****

Es beginnt wie ein waschechter Schwedenschlager. Drei dieser Piano-Akkorde und man ist sofort auf der Mello-Bühne. Schwedische Harmonien ziehen sich durch den gesamten Song, der sich kontinuierlich steigert. Statt Bass drum gibt es allerdings einen eher sanfteren, organischeren Beat. Es erinnert mich auch etwas an den Theme Song vom ESC 2014.

Sieben mal Herz – sieben mal Schmerz *****

Bei Songs, in denen sich Schmerz auf Herz reimt, sollte man vorsichtig sein. Der seichte Text ist es aber leider nicht alleine. Auch im Refrain finden sich äußerst billige Sounds, die einen ganz aus dem Konzept bringen. Das abrupte Ende ist ebenso konzeptlos.

Bitte Bitte *****

So wie es eine Ballade pro Album gibt, muss auch immer ein Sommersong pro Album dabei sein. Ein Beginn wie bei Helena Paparizous „My Number One“, etwas Reggae-Beat und sogar hin und wieder eine echte Trompete. Der Song fällt etwas aus dem Rahmen, aber positiv! Nur warum man unbedingt Tastentöne eines alten Nokia-Telefons einbauen musste, bleibt mir ein Rätsel. Aber der Keychange macht das schnell wieder vergessen.

Crash Boom Bang *****

Hier hätte ich jetzt auf Kristina Bach als Komponistin getippt, so sehr klingt es nach ihr, aber Fehlanzeige. Es ist von Dieter Bohlens rechter Hand: Oliver Lukas. Ein Schlager wie aus den 00er-Jahren.

Weck mich auf *****

Eine dieser Midtempo-Balladen, denen man nur nen richtigen Bass drunterlegen müsste und es wäre ein hervorragender Tanzflächenfüller. So ist es leider zum Einschlafen (passend zum Titel). Immerhin ein Keychange. Das Arrangement (insbesondere gegen Ende) ist eine Bohlen-Sache à la „We Have A Dream“.

Schöne Grüße *****

Ganz so dramatisch wie bei „Grüße an Sarah“ von Vicky Leandros wird es nicht, es sind bloß Grüße an ihren Ex. Die Strophenmelodien sind die gleichen wie bei „Herzilein“ von den Wildecker Herzbuben (kein Quatsch!). Aber der Refrain wird dann wieder zum Diskofox-Kracher im mittlerweile typischen Egli-Sound.

Komm hör auf, mit mir zu spielen *****

Das Album endet wie es beginnt. Mit einem Ohrwurm in gewohnter Harmonik und Rhythmik. Und Beatrice Egli liefert hier ihren besten selbstverfassten Text ab. Ausnahmsweise mal keine Ballade zum Abschluss. Dafür zwei Daumen hoch!

Gesamtbewertung: *****

Man bekommt genau das was man erwartet. Das Album bewegt sich auf demselben hohen Niveau wie sein Vorgänger, wenn auch mit auffällig vielen „oh-oh“s zum Mitsingen. Auch wenn es keine Weiterentwicklung darstellt, in dem mittlerweile hartumkämpften Markt ist es schon eine Leistung konstant abzuliefern und das tut die ECHO-Gewinnerin.

Mir gibt das Album jedenfalls einen Kick im Augenblick. Aber ob es zum vierten Mal in Folge die deutschen Top10 knackt und zum vierten Mal die Schweizer Nummer 1 wird? Wahrscheinlich nicht, denn die Konkurrenz ist groß und heißt in dieser Woche hauptsächlich Andrea Berg.

Aber man muss sich trotzdem um Beatrice Egli keine Sorgen machen. Mit regelmäßigen Auftritten in Musikshows und zwei eigenen Formaten bei ARD und(!) ZDF hat sie TV-Präsenz ohne Ende. Ich würde mich freuen, wenn insbesondere „Die Musik sind wir“, „Jetzt erst recht“ und „Bitte, bitte“ dort einmal stattfinden und einem größeren Publikum vorgestellt werden.

Das Album „Kick im Augenblick“ hier als CD und Download kaufen.
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