Anita & Alexandra Hofmann – Hautkontakt


Ehemals als die „Geschwister Hofmann“ unterwegs, haben Anita & Alexandra Hofmann mit „Hautkontakt“ ihren neuesten Schlager-Longplayer veröffentlicht. Wie sich das neue Album so anhört? Ansgar hat für Schwedenschlager.de reingehört.

Mit über 25 Jahren Bühnenerfahrung gehören sie schon zu alten Showhasen und doch sind sie manchem Neuzeit-Schlagerhörer kein Begriff. Während sie im Teenie-Alter als Volksmusik-Duo „Geschwister Hofmann“ begonnen haben, sind sie mit der Zeit namentlich, optisch und musikalisch jünger geworden und haben sich dem Zeitgeist angepasst. 2012 folgte konsequenterweise die Umbenennung in „Anita & Alexandra Hofmann“. Anita wird seither immer mehr zu Petra Mede und Alexandra gibt die deutsche P!nk. Zusammen beherrschen sie 15 Instrumente und (Achtung Spoiler!) keines davon ist auf dem neuen Album zu hören, denn: Popschlager ist nun das Motto der Stunde. Hören wir rein.

Anita & Alexandra Hofmann - das neue Album "Hautkontakt"
Anita & Alexandra Hofmann – das neue Album „Hautkontakt“

Hautkontakt *****

Der Titeltrack des Albums startet mit einer kurzen A-capella-Passage, anschließend baut sich der Synthie-Beat auf und begleitet uns fortan durch den durchschnittlichen Song. Alexandra versucht hier und da das kratzige in ihrer Stimme zu betonen. Ansonsten keine Auffäligkeiten. Löblich: die Titelzeile ist noch nicht allzu abgelutscht.

Keychange: nein

Jetzt und hier *****

Der Atemlos-Beat gibt das Tempo vor. Und auch die restliche Struktur orientiert sich stark an DEM Überhit dieses Jahrzehnts. Damit geht man natürlich auf Nummer sicher, zeigt sich aber auch etwas ideenlos.

Keychange: nein

Herz an Herz *****

Leider kein Cover des Blümchen-Klassikers. Vielmehr eine harmlose gegenseitige Liebeserklärung der beiden Geschwister („Wir sind wie Yin und Yang“) auf Popschlager-Briefpapier. Bedauernswerterweise klingt das Arrangement so billig, dass ich fast geneigt bin zu sagen: Schmerz an Schmerz.

Keychange: nein

Dann kamst du *****

Einzelne Fragmente erinnern mich an Modern Talking 2. Und die Soundeffekte nach dem Refrain sind auch erwähnenswert. Das war’s auch schon. Das Tempo ist identisch mit den beiden vorigen Songs.

Keychange: nein

Mach den Test *****

Schon die ersten Takte lassen aufhorchen und versprechen einen etwas anderen Sound als bislang geboten. Eine Synthie-Latin-Beatmaschine gibt den Samba-Rhythmus an, während sich der männliche Zuhörer von den Geschwistern im wenig melodiösen Refrain anschreien lassen darf, doch gefälligst alles zu probieren um das weibliche Geschlecht zu umgarnen. Leider geil.

Keychange: nein

Flieg mit mir *****

Highlightarmer Uptempo-Song wie so viele auf dem Album. Und „Fliegen“ darf mal wieder als Synonym für eine andere horizontale Tätigkeit herhalten. Tausendmal gehört.

Keychange: nein

Keine Liebeslieder! *****

Die Vorabsingle des Albums. Druckvoller Schlagerpop mit Ohrwurmqualitäten. Liegt wahrscheinlich daran, dass Kelly Clarksons „Stronger (What Doesn’t Kill You)“ wohl im Radio lief, während der Song entstand.

Keychange: nein

Einen Sommer lang *****

Positiv-euphorischer Schlager, dessen Produktion mir bisher am besten gefällt. Nur im Refrain scheinen die Stimmen etwas zu leise abgemischt worden zu sein. Ausnahmsweise mal keine brachial-harten Beats, sondern luftige, tanzbare Sommertunes.

Keychange: nein

Unsere Nacht *****

Da ist es wieder; das Schlagertrendwort „Lichtermeer“. Und irgendwie erinnert es mich auch sonst ein bisschen an Beatrice Egli. Textlich und rhythmisch „Atemlos“, Teil 2. Insgesamt aber etwas weniger melancholisch, was auch der unvermittelt einsetzende Tonartwechsel verdeutlicht.

Keychange: Tatsächlich!

Elektrisiert *****

Wie sollte es bei dem Titel auch anders sein, hören wir einen Elektro-Popschlager mit entsprechenden Soundeffekten und Phrasen („Unter Strom“, „Energie“, „Plus und Minus“, „100.000 Volt“, „Funken“, „Augen blitzen“). Der Ohrwurm-Refrain besticht vor allem durch die bis zur Unkenntlichkeit durch den Vocoder gejagte Titelzeile „Elektrisiert“. Autotune at it’s best.

Keychange: nein

Explodiern *****

Wiederholt billigster Großraumdisco-Sound. Siehe „Herz an Herz“ oder „Flieg mit mir“.

Keychange: nein

Sand auf meiner Haut *****

Nach elf mehr oder weniger schnellen Uptempo-Nummern nun die erste und einzige Komposition in gedrosseltem Midtempo. Leider zum Einschlafen, da rettet auch der Tonartwechsel kurz vor Schluss nichts mehr.

Keychange: ja

Ein Teil von mir *****

Flashback in die frühen 80er mit dem Beat von “Every Breath You Take”. Erneut frag ich mich, an wen dieses Lied adressiert ist. In den Strophen singen sie vom „Du/Dir“, im Refrain dann von „Ihr/Euch“. Wohl eine Liebeserklärung an die Fans, ausnahmsweise an keinen Mann und keine Schwester.

Keychange: nein

Gesamtfazit zu Anita & Alexandra Hofmann – Hautkontakt *****

Im Vergleich mit der bisherigen Diskografie, haben wir es hier mit dem poppigsten und gleichzeitig bisher kommerziell erfolgreichsten Album der beiden Sopranistinnen zu tun. Mit Platz 35 ist man wohlgemerkt nur zwei Plätze hinter dem neuen Album von Kesha in die deutschen Albumcharts eingestiegen! Der bereits auf dem vorigen Album (u.a. mit zwei Roxette-Covern) eingeschlagene musikalische Weg scheint anzukommen und wird nun konsequent fortgeführt. Wenn man aber Vergleiche zu anderen Schlagerproduktionen der heutigen Zeit zieht, fällt dieses Werk doch leider deutlich ab. Von satten Sounds keine Spur. Ideenlose Arrangements. Autotune über Autotune. Unausgegorene Abmischungen. Teilweise klingt es wie schlecht komprimierte mp3-Dateien. Dabei besitzen viele Songs durchaus Potential z.B. „Mach den Test“, „Unsere Nacht“ oder „Elektrisiert“. Leider ist die Keychange-Quote mit 15 % aus Schwedenschlager-Sicht auch enttäuschend gering, sodass das Gesamturteil leider nicht allzu positiv ausfällt.

 

Text: Ansgar Kuhn für Schwedenschlager.de
Album erscheint bei: DA Music

Categories: Deutschpop,New Release,Review

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